Rattennasen-FAQ | Das leidige Thema Tierarzt, Krankheit & Tod

Heyho liebe Leser,


Achtung, Wall-of-text. Insgesamt ist das hier ein sehr langer Beitrag, den ich aber auch nicht auf mehrere aufteilen möchte, weil die Themen alle zusammen gehören.
Jeremy ist vor kurzem zwei Jahre alt geworden - Richards und James' Geburtstag folgt in ein paar Wochen. Bisher habe ich unglaubliches Glück mit den Dreien gehabt, keine Tumore oder sonstige Krankheiten. Man merkt, dass sie langsamer und gemütlicher werden, aber sie sind immernoch fit und das schlimmste was uns passiert ist, waren einen paar Kratzer wenn sich um ein besonders leckeres Stück Essen gekloppt wurde.

Ratte auf dem Prüfstand

    Mein Mopped muss regelmäßig zum TÜV, meine Ratten ebenso. 
    Vieles geht ganz einfach beim Beobachten im Auslauf: Ist das Fell gepflegt und nicht verklebt? Sind die Augen klar und die Ohren sauber? Stehen die Schneidezähne richtig aufeinander oder sind sie zu lang, ist vielleicht einer abgebrochen? Verhält die Ratte sich unnormal aggressiv oder ängstlich? Wenn nicht, dann hat man Punkt eins bereits abgearbeitet.
    Als nächstes ist Abtasten dran - getarnt als Streicheleinheit. Dabei sollte man auf schuppige oder gar kahle Stellen im Fell achten, die können sich teils auch unter dem Deckhaar verstecken, also auch mal gegen den Strich streicheln.
    Genauso kann man Tumore, die bei Ratten leider recht häufig vorkommen, meistens bereits früh als Verhärtungen oder kleine "Beulen" unter der Haut ertasten. Früh genug erkannt, können sie operativ relativ leicht entfernt werden.
    Zu guter Letzt sollte man seine Ratten regelmäßig wiegen und sich auch das Gewicht samt Datum notieren. Bei ausgewachsenen Ratten sind Gewichtsschwankungen von bis zu 15g / Woche normal, alles darüber kann auf eine beginnende Krankheit hinweisen.


    Notfallapotheke

      Es gibt gewisse Dinge, die immer in der Hausapotheke vorhanden sein sollten, sowohl für Mensch als auch für Tier. Medikamente sollten am besten in einer verschließbaren Box, an einem trockenen Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung, aufbewahrt werden. Außerdem sollten eure Haustiere nicht daran kommen.


      Einmalwaschlappen - Um Wunden zu säubern oder Blutungen zu stoppen. Außerdem kann man Ratten darin einwickeln, wenn man sie päppelt, Medizin gibt oder Wunden behandelt.

      Wattestäbchen - Auch diese kann man Benutzen um Wunden zu säubern und Salbe aufzutragen. Allerdings sollte man eine Marke wählen, die nicht fusselt.

      Mullbinden + Pflaster - Die Mullbinden ebenfalls wieder für Blutungen oder um Kratzen an Wunden zu verhindern, die Pflaster um sie dann zu fixieren, Bitte überlappend kleben und nicht aufs Fell!

      Einwegspritzen (mit und ohne Nadel) - Mit den Nadeln bleibt man selbst ganz weit weg von den Ratten, dafür ist der Tierarzt zuständig. Wenn man allerdings Medikamente für zuhause bekommt, füllen Tierärzte diese oft in eine Spritze ab. Um falsche Dosierung und Kreuzkontamination des Medikaments zu vermeiden, gibt man sie nie direkt aus dieser! Nehmt eine zweite Spritze mit Kanüle, zieht die entsprechende Menge des Medikaments aus Spritze Nr. 1, entfernt dann die Kanüle und verabreicht das Medikament mit Spritze Nr. 2.
      Auch Päppelfutter oder Wasser können mit Einwegspritzen ohne Kanüle gegeben werden.

      Babybrei (ohne Stückchen) + feine Haferflocken - Als Grundlage für das Päppelfutter kann man Babybrei benutzen. Fluse hat eine Zeit lang den Rindfleischbrei von Hipp bekommen, der zwar absolut abartig stank, aber anscheinend gut verdaulich war und sie schnell wieder fit machte. Welche Sorte man nimmt ist erstmal egal, solange sie gerne gefressen wird und keine Stückchen enthält, falls man sie per Spritze verabreichen muss. Möchte man Medikamente im Brei verstecken, sollte man jedoch auf Varianten mit Milchprodukten verzichten, da diese beispielsweise die Wirkung von Antibiotika negieren können. Haferflocken sind sehr energiereich und gut bekömmlich, daher kann man sie ebenfalls ins Päppelfutter einrühren.

      Bird Bene Bac - Es steht zwar drauf die Paste sei für Vögel, sie kann aber auch für alle Nager und Kaninchen angewendet werden. Sie unterstützt die Darmflora, kann beim Päppeln gegeben werden und hilft z.B. gegen Durchfall oder Aufblähungen. Es baut die Darmflora wieder auf und sollte daher auch nach abgeschlossenen Antibiotikabehandlungen gegeben werden.
      Da es anscheinend nicht unangenehm schmeckt, nehmen Ratten es meist sogar von sich aus ein.

      Bepanthen Augen- & Nasensalbe + Bepanthen Lösung - Erstere ist sanfter als normale Bepanthen und daher vorallem für den Gesichtsbereich geeignet. An gereizte Augen gehört übrigens kein abgekühlter Kamillentee, denn der enthält Schwebstoffe, die mehr reizen als zu helfen!
      Die Lösung ist für kleine Kratzer, die sich nicht im Augen/Nasenbereich befinden, wohl das beste. Einfach mit einem Wattestäbchen auftupfen, dann unterstützt es die Wundheilung und mindert Juckreiz. Sie trocknet schnell und im Gegensatz zur Salbe verklebt sie das Fell nicht, sodass auch nicht daran rumgeschlabbert wird.

      Bachblüten Rescue Tropfen Pets - Für nervöse Zeitgenossen kann das eine gute Investition sein. Meine Drei sind zum Glück ziemlich gechillt, aber für stressige Situationen (Tierarztbesuch/lange Autofahrt) habe ich es gerne in der Hinterhand. Zum Einsatz gekommen ist es allerdings noch nicht.

      Kontaktinformationen - Ganz wichtig! Wenn Ihr jemanden habt, der auf Eure Ratten aufpasst während Ihr z.B. im Urlaub seid, legt auf jeden Fall einen Zettel mit den Kontaktinformationen eures Tierarztes mit in die Box.
      Außerdem solltet Ihr in Eurem Portmonnaie immer eine Karte mitführen, auf der die Adresse/Telefonnumer einer Euch nahestehenden Person stehen, zusammen mit der Bitte, im Falle eines Falles dort anzurufen. Steckt sie am besten mit in das Fach für den Perso oder die Krankenkassenkarte, damit sie sofort gefunden wird und Eure Haustiere nicht unversorgt Zuhause sitzen, solltet Ihr einen Unfall haben.

      Krankenkäfig - Ist erstmal kein Must-Have, sollte aber im Falle einer Operation oder Krankheit sofort angeschafft werden. Nach OPs dürfen Ratten meistens nicht direkt wieder in den großen Käfig; sie können sich überanstrengen, sodass die Nähte reißen, oder von den Etagen plumpsen und sich erneut verletzen. Außerdem kann das Streu Infektionen auslösen.
      Der Krankenkäfig sollte daher deutlich kleiner sein als das Dauerdomizil, keine zusätzlichen Etagen haben und mit Küchenrolle ausgelegt werden. Hinein müssen nur ein Häuschen (möglichst aus Plastik oder glasierter Keramik, da einfach zu reinigen/desinfizieren), Näpfchen und Wasserflasche.
      Wenn es "nur" eine Operation war, kann man den Krankenkäfig in der Nähe des anderen aufstellen, damit die Tiere den Geruch nicht verlieren und sich nicht komplett neu aneinander gewöhnen müssen.
      Hat man jedoch eine Ratte mit einer Infektion, sollte diese auf jeden Fall von den anderen Tieren getrennt werden und bis zum Abklingen erst mal keinen Kontakt haben. (Bei Parasiten muss man ohnehin das ganze Rudel behandeln und den Wohnkäfig oder schlimmstenfalls die gesamte Wohnung grundreinigen.)

      Sockenpulli -  Auch kein Must-Have, aber manchmal eben doch nützlich. Wenn bei OPs genäht werden muss, knabbern manche Ratten sich die Nähte auf, sobald sie wieder aus der Narkose aufgewacht sind. Klar, die Dinger jucken ja schließlich! Da eine Halskrause bei den Knirpsen eher schlecht anzubringen ist, muss man sich also etwas anderes einfallen lassen: man kann die Stelle natürlich bandagieren und mit den Verband mit Pflastern befestigen. Liegt die Naht aber am Bauch, Rücken oder an der Flanke, ist es oft einfacher einen Sockenpulli zu basteln. Socke aufschneiden, zwei Löcher für die Vorderpfoten reinschneiden damit der Pulli nicht runter rutscht und der Ratte anziehen (am besten wenn sie noch etwas benommen ist, sonst kann das sehr fummelig werden). Natürlich muss man die Größe der Ratte anpassen, damit das Blut nicht abgeschnürt wird - ein ausgewachsener Bock wird nicht in eine Babysocke passen ;)

      Wichtig: Auch Medikamente sind nur begrenzt haltbar. Schreibt daher unbedingt mit Permanent Marker auf die Packung, wann Ihr die Medikamente geöffnet habt! Falls Ihr die Umverpackung entsorgen wollt, auch noch wie lange das Medikament nach Anbruch haltbar ist und die Lagerhinweise (z.B. im Kühlschrank).


      Wenn die Hausapotheke nicht ausreicht

        Man muss nicht für jeden kleinen Kratzer zum Tierarzt laufen, das stresst die Ratte mehr als ihr zu helfen. Jeremy hat momentan einen kleinen Kratzer am Schwanz, weil er die beiden anderen zu sehr beim Essen geärgert hat - die Wunde ist nicht entzündet, schmerzt bei Berührung nicht und er lässt sich auch anstandslos betupfen, wenn ich abends mit der Bepanthen-Lösung ankomme. Solange diese Punkte gegeben sind, sehe ich keinen Grund ihn in die Transportbox zu stecken und zum Tierarzt zu fahren, damit er dann von einem für ihn fremden Menschen befummelt wird.

        Jeder aufmerksame Tierbesitzer wird aber erkennen, wenn sein Haustier Schmerzen hat und die Hausmittelchen nicht ausreichen.
        Sucht einen Tierarzt, der explizit angibt, sich mit Nagern auszukennen. "Kleintier" kann vom Wellensittich bis zum Hund hin erstmal alles sein und es ist nicht gesagt, dass er wirklich weiß, wie man mit Ratten umgehen muss. Viele Rattenforen haben Listen mit vertrauenswürdigen und kompetenten Tierärzten, nach Postleitzahl gestaffelt. Ansonsten helfen auch Google oder Bekannte, die einen Arzt in der Nähe empfehlen könnten.
        Das wichtigste bei jedem Tierarzt ist wohl, dass er sich Zeit nimmt; um die Ratte zu begutachten, um Euch zuzuhören was sich genau im Verhalten geändert hat und um zu erklären, welche Behandlung durchgeführt wird/welche Medikamente warum und in welcher Dosierung gegeben werden usw. Tierärzte haben, wie jede andere Branche auch, Zeitdruck, aber wenn diese Punkte nicht stimmen, vertraue ich ihnen meine Wusels nicht an. Nehmt Euch am besten ein Notizbuch mit, tragt dort vorher Eure Beobachtungen ein, was Ihr noch fragen möchtet etc. Auch während der Behandlung solltet Ihr wichtige Punkte mitschreiben; Was wird verabreicht? Wie oft und in welcher Menge? Welche zusätzlichen Maßnahmen sind nötig (Quarantäne etc.)? Scheut Euch nicht nachzufragen, wenn etwas unklar geblieben ist!

        Inhalationsnarkose vs. Spritze: Das Gerücht, Inhalationsnarkose sei schonender als eine Injektion, hält sich hartnäckig und viele Nagerhalter schließen Tierärzte, die keine Inhalationsnarkose anbieten, grundsätzlich aus. Inzwischen ist dies aber ein Märchen. Bei der Inhalationsmethode kann sich der Arzt nicht sicher sein, wieviel des Medikaments nun genau aufgenommen wird, vor allem wenn die Ratte unter Stress steht und erst mal panisch atmet bevor sie einschläft. Heutzutage gibt es mehrstufige Injektionsnarkosen, die viel genauer auf das Gewicht und den Zustand der Ratte zugeschnitten werden können.

        Am besten ist es, den Tierarzt vorher mal auszutesten - wir haben zwei Tierärzte, je nachdem ob ich gerade bei meinen Eltern oder in meiner eigenen Wohnung bin. Zu dem einen sind wir damals mit Nami, meinem ersten Zwerghamster, gegangen, haben uns doof gestellt und gefragt, ob regelmäßiges Krallen schneiden denn nötig wäre. Er hat den Mini ausgiebig begutachtet und festgestellt: Nein, wäre es nicht, aber bitte viele Abriebmöglichkeiten anbieten und wenn die Krallen trotzdem so lang werden, dass sie sich eindrehen, sofort wiederkommen (was auch stimmte und im Endeffekt nie nötig war).
        Mit dem anderen kann man Termine für "Neukunden" machen, dabei füllt man ein Formular mit den Eckdaten über das Tier und evt. bekannte Vorerkrankungen aus, damit man sich im Notfall die längere Wartezeit und Bürokratie ersparen kann. Außerdem wird das Tier kurz durchgecheckt, sodass man einen Eindruck bekommt, wie der Arzt mit den Zwergen umgeht. Wer will schon einen, der wenn die Transportbox aufgeht erstmal "Iiih, eine Ratte!" schreit?
        Außerdem gehören beide Tierärzte zu einem Verband aus Notfallpraxen, sodass man auch nach den regulären Öffnungszeiten nicht im Regen steht.

        Zudem kann eine Tierkrankenversicherung eine gute Investition sein. Leider gibt es meines Wissens noch keine Versicherung in Deutschland, bei der man Ratten, Hamster oder Mäuse versichern kann, für Chinchillas, Meerschweinchen und Kaninchen habe ich jedoch eine gefunden. Für Hunde, Pferde und Katzen findet man recht viele. Wahrscheinlich liegt es daran, dass alle diese Tiere etwas älter werden und sich die Versicherung daher mehr "lohnt".
        Man sollte immer bedenken, dass Medikamente und vor allem Operationen sehr teuer sein können, selbst wenn das Tier klein ist. Eine Notfallkasse, auf der, je nach Anzahl der Tiere, mindestens 250€ liegen, sollte deshalb immer da sein. Manche Tierärzte und Kliniken bieten auch Ratenzahlungen an, aber darauf würde ich mich nicht verlassen - wenn es meinen Haustieren schlecht geht, will ich nicht überlegen, ob Hilfe finanziell "drin ist".


        Der Tod


          Bevor mir jetzt einer auf den Sack haut: Ich habe natürlich keinen meiner Jungs geköpft um dieses Foto zu machen. Dabei handelt es sich um die Nachbildung eines Rattenschädels aus Polyresin, welche von *FiveForges* für mich angefertigt wurde!

          Der Tod ist ein unangenehmes Thema, welches die meisten Tierhalter ganz weit weg schieben. Dennoch gehört er zum Leben und was meinen eigenen angeht bin ich auch ziemlich pragmatisch. Organspende ist geklärt (sollte man als Moppedfahrer sowieso immer haben), über eine rechtlich sichere Patientenverfügung informiere ich mich derzeit. Bei Menschen oder Haustieren, an denen ich sehr hänge, fällt mir der Pragmatismus jedoch schwerer.
          Aber: Man sollte wissen, was man tut. Wer sein Haustier liebt, der erspart ihm lieber Leid und sieht nicht zu wie es sich quält, weil man es selbst nicht über's Herz bringt es einschläfern zu lassen. Manche Dinge werden nicht mehr besser. Allerspätestens wenn das Tier nur noch apathisch rumliegt, allein nicht mehr fressen/trinken kann oder will und sich mit dem letzten Restchen Kraft nur noch gegen das Päppeln wehrt, ist es Zeit, es zu erlösen. 
          Bisher bin ich davon verschont geblieben - Fluse und Nami, meine beiden Zwerghamster, standen abends noch fröhlich am Gitter und haben sich Leckerchen abgeholt. Am nächsten Tag lagen sie dann einfach zusammengerollt im Nest als würden sie schlafen und ich glaube nicht, dass sie sich gequält haben. Sollte es meinen Jungs aber anders ergehen, werde ich, muss ich anders handeln.
          Bedenkt bitte auch; Ratten sind Rudeltiere. Wenn Ihr mit der Rattenhaltung aufhören möchtet, dann ist es nicht fair ein einzelnes Tier bis zu seinem Lebensende allein zu lassen, vor allem wenn es nur das Leben mit Artgenossen kennt. Auch wenn es schwer fällt, gebt das Tier in eine andere Gruppe ab oder schaut nach Leihtieren, die Eurer Ratte bis zum Tod Gesellschaft leisten und dann wieder zu ihrem ursprünglichen Besitzer zurückkehren.


          Die Beerdigung

            Ein mindestens genauso unangenehmes Thema - was macht man mit dem verstorbenen Haustier? Nun, es gibt verschiedene Möglichkeiten.
            Das wichtigste ist aber: Ihr könnt euch Zeit nehmen! Haustiere sind Familienangehörige und man braucht sich nicht zu schämen, wenn man um sie trauert. Das Tier muss nicht sobald es verstorben ist "unter die Erde". Die Leichen sind nicht plötzlich giftig und verwesen auch nicht innerhalb weniger Stunden von "flauschige Katze" zu "unidentifizierbarer, braun-schwarzer Fleischklumpen". Ein derartiger Prozess braucht seine Zeit, wenn Ihr die Leiche Eures Haustieres mit Eispacks kühl haltet, könnt ihr sie problemslos 1-2 Tage "offen" im Haus behalten. Bedenkt jedoch, dass auch bei Tieren rigor mortis, also die Leichenstarre, einsetzen wird; das passiert innerhalb von 1-2 Stunden nach dem Tod. Wenn Ihr euren Liebling also in einer bestimmten Position (zusammengerollt, Augen und Mäulchen geschlossen etc.) betten wollt, dann sollte das relativ rasch geschehen.
            Für längere Lagerung empfiehlt sich dann jedoch eher das Gefrierfach. Ich spreche aus Erfahrung; Fluse hat etwa eineinhalb Wochen eingetütet im Gefrierschrank verbringen müssen, bevor ich sie im Garten meiner Eltern beerdigen konnte

            Mülltonne: Eine wohl eher makabere Art ist wohl die Entsorgung in der Biotonne oder auf dem Kompost. Das ist bei kleineren Nagern, Vögeln und Fischen zwar erlaubt, bei größeren Tieren jedoch nicht. Wer seinen verstorbenen Hund oder seine Katze in die Mülltonne steckt, verstößt gegen das Tierkörperbeseitigungsgesetz und begeht eine Ordnungswidrigkeit, die in der Regel jedoch leider nur mit 20€-30€ Bußgeld bestraft wird.

            Tierbeseitigungsanlagen: Lässt man sein verstorbenes Haustier nach der Einschläferung beim Tierarzt, wird es diesen Weg gehen. Man kann sie jedoch auch selbst direkt dort abgeben. Zusammen mit Nutztieren, Zootieren und "Roadkill" werden sie zu Tierfett oder -mehl verarbeitet. Ebenfalls kein wirklich schöner Gedanke.

            Einäscherung: Inzwischen gibt es in Deutschland ca. 30 spezielle Tierkrematorien, in denen der Liebling nach dem Tode eingeäschert werden kann. Anders als beim Menschen dürfen dabei auch z.B. die Lieblingsdecke oder das Spielzeug mitgegeben werden. Die Asche kann man sich später in Urne füllen lassen und mit nach Hause nehmen, um beispielsweise selbst eine Seebestattung durchzuführen (auch das ist bei menschlicher Asche nicht möglich). 

            Beerdigung im Garten / auf Tierfriedhöfen: Die meisten Tierbesitzer wählen wohl diese Variante. Grundsätzlich ist die Beerdigung im eigenen Garten erlaubt, man muss jedoch einige Punkte beachten; wer in einem Natur- oder Wasserschutzgebiet wohnt, darf dies nicht. Zudem braucht man für größere Tiere die Genehmigung des Veterinäramts. Das Grab muss mindestens 1-2 Meter von öffentlichen Wegen entfernt und mindestens einen halben Meter tief sein, letzteres um zu vermeiden, dass Aasfresser durch den Geruch angelockt werden und das tote Haustier wieder ausgraben. Solltet Ihr in einer Mietwohnung leben, benötigt Ihr außerdem die Erlaubnis Eures Vermieters. 
            Wer keinen (eigenen) Garten hat, kann auch den Tierfriedhof wählen. Dabei bezahlt man eine Gebühr, die meistens den Grabaushub, einen Behälter, Beisetzung und Befüllung des Grabes sowie eine Pacht für das Grab an sich enthält. Man sollte jedoch beachten, dass die Pacht in den meisten Fällen nicht unbegrenzt verlängerbar ist.
            Bitte wickelt die Leichen nicht in Plastiktüten, sondern in biologisch abbaubare Materialien. Pappkartons, Holzsärge, Wolldecken. Am besten eine natürliche Bestattung, bei der die Leiche direkt in die Erde gelegt wird. Es gibt auch die Möglichkeit, sich im Tierkrematorium für eine biologisch abbaubare Urne aus z.B. Pappmasche zu entscheiden. 
            Eine Beerdigung im öffentlichen Wald oder Parks ist übrigens ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 15.000€ deutlich höhere Bußgelder nach sich ziehen kann! 

            Tierpräparator: Zugegeben, diese Möglichkeit werden viele wahrscheinlich als mindestens ebenso makaber wie die Mülltonne empfinden. Ich wusste bis vor kurzem gar nicht, dass das überhaupt möglich ist und bin erst durch einen Instagrampost zum Thema "ethisch korrekte Tierpräparate" darauf gekommen. Ethisch korrekte Präparate sind solche, bei denen das Tier nicht zum Zwecke des Präparierens getötet wurde, sondern an Krankheit, Unfällen oder eines natürlichen Todes verstarb. Insgesamt eine, meiner Meinung, sehr faszinierende, aber auch kostspielige Variante. Meine Recherche hat ergeben, dass die Kosten für ein Ganzkörperpräparat z.B. bei ~50€ für eine Maus losgehen, Kaninchen bereits mit ~120€ zu Buche schlagen und die Kosten für einen Hund, je nach Größe, Fellstruktur etc., zwischen ~500-2000€ liegen. Ob es hilfreich ist, dass verstorbene Haustier im Wohnzimmer sitzen zu haben, muss wohl auch jeder für sich entscheiden. Andererseits haben viele Leute auch Fotos von Ihren Haustieren als Erinnerung und ich sehe darin keinen so riesigen Unterschied. Beides muss man regelmäßig abstauben (man verzeihe mir den Galgenhumor).


            Bei Tieren wie auch beim Menschen - macht Euch vorher Gedanken, nicht erst wenn das Thema dringend wird. Wer einen Plan hat, kann ruhig bleiben und ihn abspulen - wer keinen hat, rennt erstmal panisch im Kreis. 


            Liebe Grüße!

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