What I read | Mai '17

Heyho liebe Leser,


andere schreiben What I eat Beiträge, ich bin dafür viel zu faul - dafür zeige ich euch heute, was ich im letzten Monat gelesen habe. Seitdem ich mein Studium begonnen habe, habe ich am Lesen etwas den Spaß verloren. Nach 500 Seiten Scripts, Kommentaren und Falllösungen hatte ich oft keine Lust mehr, auch noch 'privat' zu lesen. In den letzten Monaten habe ich mir jedoch wieder mehr Zeit dafür genommen.

Ray Bradbury | Fahrenheit 451 | 5.99€

"Do you ever read any of the books you burn?" 
 He laughed. "That's against the law!"

Mein Senf: 451° Fahrenheit - die Temperatur, bei der Papier Feuer fängt. In Ray Bradburys futuristischer Distopie löschen Feuerwehrmänner keine Brände; sie legen sie. Das Fernsehen bestimmt die Welt, gedruckte Bücher sind illegal und vom Aussterben bedroht, da Feuerwehrmänner wie Guy Montag sie, die Häuser in denen sie sich verstecken und auch ihre Besitzer verbrennen. Guy hinterfragt diese Praxis nicht, bis seine neue Nachbarin ihm von einer Zeit in der Brände noch gelöscht wurden und die Welt Bücher mehr schätzte, als das sinnlose Geschnatter des Fernsehers.
Fahrenheit 451 wollte ich schon ewig lesen, bei Distopien wird es immer im selben Atemzug mit George Orwells 1984 und Aldous Huxleys Brave New World genannt.
Eigentlich wollte mein Vater es mir mitbringen, da das Exemplar meiner Eltern momentan in seiner Wohnung liegt, aber hat es immer wieder verpennt [/dadshaming]. Beim letzten "Nur mal gucken!" in der Buchhandlung habe ich es dann trotzdem mitgenommen.
Das Buch macht Eindruck, noch mehr wenn man es am 10.Mai liest und einem im Hinterkopf Heinrich Heines Zitat "... wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen" herumschwirrt.
Die Geschichte ist sehr kurz, reicht kaum an 160 Seiten heran und besteht aus lediglich drei Kapiteln. Dementsprechend ist die Handlung schnell erzählt, die Welt wenig ausgeschmückt und blass. Viele der Charaktere sind gelinde gesagt Schwachköpfe, die dank ständiger Berieselung durch das Fernsehprogramm das Denken verlernt haben. Guy Montag beginnt als einer dieser Schwachköpfe, fängt aber an zu hinterfragen - auch wenn er sich dabei nicht sonderlich geschickt anstellt und sich selbst in Gefahr bringt. Man kann es ihm nicht wirklich übel nehmen.
Die Aussage, die Botschaft und unausgesprochene Warnung wird dem Leser nicht ins Gesicht gedrückt, aber dennoch deutlich genug gemacht.
An den amazon Bewertungen wird übrigens klar, wer eine Welt wie die von Bradbury beschriebene mal möglich machen wird, Ansätze sind ja schon zu erkennen. Von mir gibts 4 /5 Herzchen.





Harald Gilbers | Germania / Odins Söhne / Endzeit | je 9.99€

"Der Lichtkegel verharrte kurz auf Opperheimes gelbem Davidstern. Ein Ausdruck der Unsicherheit huschte über Voglers Gesicht, doch sofort war dieser wieder verschwunden hinter der forcierten Selbstsicherheit, die so typisch war für Hitlers Elite."

Mein Senf: Harald Gilbers Opperheimer Trilogie beginnt mit Germania in Berlin anno 1944. Richard Opperheimer war einst der erfolgreichste Ermittler der Kripo Berlin. Dann wurde er rausgeschmissen - denn Opperheimer ist Jude. Die Ehe mit seiner deutschen Frau Lisa und die Hilfe seiner langjährigen Freundin Hilde haben ihn bisher vor der Deportation bewahrt. Als ein Serientäter verstümmelte Leichen vor Kriegsdenkmälern des ersten Weltkriegs ablegt, zwingt die SS Opperheimer zur Mitarbeit.
Odins Söhne spielt einige Monate später, im Januar 1945: diesmal muss Opperheimer seine Freundin Hilde schützen, denn deren Noch-Ehemann Erich wurde ermordet. Er führte als KZ-Lagerarzt Menschenversuche durch; Hilde hat als Regimegegnerin ein Motiv. Nun wird Opperheimer von Mitgliedern des Widerstands unter Druck gesetzt.
Ende April 1945 findet dann Endzeit statt; das Dritte Reich ist kurz vor dem Untergang, Berlin ist zerbombt und die Russen marschieren ein. Lisa wird von einem Desateur namens Grigorjew vergewaltigt. Als Opperheimer sich an ihm rächen will, erfährt er, dass der obendrein noch Material über die Atompläne der Nazis meistbietend verkaufen will. Jetzt wird Opperheimer von den Alliierten benutzt.
Die Bücher sind dank Mitwirkung von Historikern und ausführlicher Recherche des Autors selbst vom Setting her erstaunlich akkurat, auch wenn die meisten Protagonisten natürlich erfunden sind.
Der arme Opperheimer hat keine Minute Ruhe; wenn er nicht gerade durch die Gegend gescheucht wird, muss er sich mit Schwarzmarktgeschäften über Wasser halten oder untertauchen. Germania und Endzeit haben einen tollen Spannungsbogen, man will unbedingt wissen wie es weiter geht und kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Odins Söhne zieht sich über lange Strecken hinweg leider ziemlich, die vielen Perspektivenwechsel und der große Cliffhanger am Ende tun dem Buch nicht gut.

Germania: 4/5 Herzchen

Odins Söhne: 3 / 5 Herzchen

Endzeit: 4/5 Herzchen





Himekawa Akira | The Legend of Zelda: Perfect Edition - Four Swords | 14.00€

"Wie in der Legende... 'Er zog sein Schwert und spaltete sich in vier Krieger auf'... die Geschichte ist also wahr!"

Mein Senf: Zusätzlich zu den Spielen sind seit 1999 in der The Legend of Zelda Reihe auch 10 Mangabände erschienen, welche die Handlung der jeweiligen Spiele illustrieren. Mit der Perfect Edition wurden sie nun überarbeitet und innerhalb von fünf Bänden neu aufgelegt.
Link muss in Four Swords die Pläne Vaatis vereiteln; dazu macht er sich das Four Sword zu Nutze. Mit dessen Hilfe kann er sich in vier seperate Links aufspalten, die aber erstmal ihre eigenen Differenzen untereinander lösen müssen, bevor sie in die Schlacht ziehen können.
Himekawa und sein Team zeichnen jedes Spiel in einem anderen, passenden Stil nach; in Four Swords ist Link eher chibihaft als realistisch gezeichnet. Die Manga schmücken die Geschichte der jeweiligen Spiele aus, zählen aber nicht zum allgemein anerkannten Canon und enthalten teilweise auch kleine, lustige Bonusszenen und Nebenstories, die man im Spiel nicht findet.
Four Swords ist übrigens der fünfte (und letzte) Band der Reihe. Auch die anderen sind sehr empefehlenswert für Fans der Spiele, die die originalen Manga noch nicht besitzen! 5 /5 Herzchen.





R.C. Schiller | Rattenkinder | 8.99€

"Der Aberglaube wird mich zum König von Dogcity machen, zum Herrscher über Leben und Tod."

Mein Senf: Das Autorenduo Barbara und Christian Schiller schafft hier einen Kriminalroman, der teilweise in Linz, teilweise im fiktiven Roma-Slum "Dogcity" in Tschechien spielt. Die Ermittler finden die Leiche einer Mutter, ein Baby liegt quicklebendig im Kinderwagen neben ihr. Außerdem wird bei der Leiche ein Rattenschädel gefunden. Nur einer scheint mehr zu wissen: Viktor Maly, der jedoch seit einem Jahr in einer geschlossenen Anstalt sitzt und den Ermittlern trotzdem einen Hinweis auf den Tatort geben konnte.
Das Buch habe ich völlig spontan in der Buchhandlung mitgenommen, weil mich Cover und Titel angesprochen haben; auch der Klappentext klang vielversprechend. Es ist der fünfte Teil der Reihe um Ermittler Anton 'Tony' Braun, Kenntnis der vorherigen Bände ist jedoch nicht nötig. Die Hauptfiguren sind recht menschlich charakterisiert, haben aber alle eine Fülle an Traumata und treffen Entscheidungen bei denen man sich fragt warum sie noch nicht selbst umgebracht oder zumindest dauerhaft aus dem Polizeidienst entfernt wurden.
Der Spannungsbogen ist ok, es wird  zwischen drei verschiedenen Erzählperspektiven gewechselt und es gibt dadurch kleinere Cliffhanger. Abzüge gibt's weiterhin, weil einer der Protagonisten eine Vergangenheit hat, die natürlich äußerst komfortabel und zweckmäßig auftaucht um die Handlung voranzubringen. Sowas aber auch. Unnötig.
Pluspunkte, denn den Showdown am Ende hatte ich so nicht ganz vorhergesehen - eigentlich hatte ich vermutet, dass da noch mehr Leute ihre Finger im Spiel haben.
Meine drei Rattenkinder sind zumindest zufrieden, weil Ratten in diesem Buch tatsächlich mal als hochintelligente Tiere dargestellt werden (was sie auch sind!) und nicht nur als dreckige Krankheitsüberträger.
Wohlwollend gibt's hier 2 1/2 Herzchen , für die Darstellung der desolaten Lebenszustände der Roma, der eher positiven Charakterisierung von Ratten, das doch noch überraschende Ende, sowie der, jedoch nicht neuen, Feststellung, dass einflussreiche Menschen mit mehr davonkommen können als kleine Fische.



Mein persönliches Ziel, jeden Monat mindestens 5 Bücher durchzulesen, habe ich seit Anfang des Jahres immer erreicht. Ich habe den Spaß am Lesen wiedergefunden und hoffe er geht nicht mehr verloren!
Was habt Ihr denn im Mai an Büchern verschlungen?


Liebe Grüße!

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